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20. Tag: Up in the Sky!

January 26th, 2013. Published under 16. bis 20. Tag, Alle Berichte, Reise. No Comments.

Der heutige und letzte Tag steht eindeutig unter dem Motto “up in the Sky” – 77 Bombay Street passt nicht nur geografisch näherungsweise gut – auch der Rhythmus und deren Fangemeinde passen bestens für unser Tagesprogramm. Allerdings war der Start harziger als auch schon – das Packen zwar easy, weil wir ja nun den ganzen Restkrempel inkl. unserer Anzüge dem tropischen Kochi-Klima überlassen konnten – aber allzuviel Schlaf war nicht in der Mütze, die wir genommen hatten. Und die epicste aller epic Parties vom Vortag war irgendwie auch in die Knochen gekrochen. Kurzum wir starten etwas wehmütig und melancholisch zur letzten Etappe:

Frühstück bei unserem “I-am-happy-when-you-are happy”-manager. Unglaublich – sozusagen ayurvedisch mit frisch gepresstem Mix-Fruchtsaft, Papayas, Melonen und sonstigen Vitaminen wie sie unsere Körper seit 3000 Kilometer nicht mal schnuppern konnten. Dazu das bewährte indische Rührei und Toast. Und sofort begannen die Verhandlungen – denn die Postkarten waren zwar geschrieben – aber infolge eines Post-Office-Holidays waren wir noch 55 Marken nach Europa short. Aber “up in the sky – people are happy…” und das wollte ja unser Hotelmanager und wir auch und so wurde er flugs zu unserem Ehrenpöstler ernannt und adäquat gefundet.

Danach haben wir dann die gecharterte Limousine geentert und sind zu unseren Aussie-Freunden rübergekurvt. Problemlos. Also gänzlich ohne das befürchtete Verkehrschaos. Die Aussies waren dann zwar wach und parat – aber nicht so ganz richtig. Und die 1.5 Liter Wasser Zwangskonsum pro Kopf zeigen einzig, wie verantwortungsvoll Menschen, die sich der verhängnisvollen Kraft der Sonne bewusst sind, mit solchen Extremsituationen umgehen. Ein Tag Cricket bei gefühlten 35 Grad am Schatten…

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Ja – Cricket. Bei der Verabschiedung im Hotel von unseren treuen Kollegen aus dem Team Rastenfresser oder Tuck-Tuck-Schleifer oder umgekehrt – einfach die extrem-Riders – meinten die mitleidig, ob wir denn nun an den Cricket Match wollten oder müssten… (lag aber vielleicht auch daran, dass sie dabei einem etwas antriebslosen Jimbo beim Rumstochern im Vitaminzeug zusahen). Cricket – das englischste aller englischen Spiele – Kolonialismus pur – Rasenschach vom Feinsten – actiongeladen wie Die Hard 1-17 komprimiert – kurz ein Spiel welches keine Seele unberührt lässt und das in Indien, diesem Land der Seele, dieses unerschöpflichen Quells an Emotionen – Herz was willst du mehr!

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Und wir wurden, obwohl wir bewusst den stillsten aller Hintereingänge auswählten, nicht enttäuscht – die Stimmung war von Anfang an nur grossartig, unbeschreiblich!

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Die Inder gewannen den Toss – Banausen würden sagen, hatten Anspiel – aber das ist ja bei Cricket inflationär – denn ein One-Day-Internation Match ist dadurch definiert, dass jede Mannschaft 50 Overs bowlen darf – nicht zu verwechseln mit eine ruhig Kugel schieben, denn die Kugel (steinhart gepresstes Kork, Lederummantelt) wird nicht geschoben gebowlt sondern mit komplett gestrecktem Arm Richtung Wicket katapultiert – also nicht proletarisch Baseball-mässig aus dem Ellbogen raus geschlenkert (that’s not cricket!) – sondern kreisund Armkreisend und mit Anlauf – Fast-Bowlers knacken dabei dann die 150Kmh Grenze!!! Wesentlich ist dabei noch, dass ein Over aus 6 Bowlen besteht – also nicht die zum Trinken – das wäre ja lebensgefährdend – und somit jede Mannschaft 300 Mal anspielen darf.

Proper Cricket

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ist durchaus dynamisch!

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Die 50 Over sind allerdings relativ, konditional bedingt insofern als eine Mannschaft auch dann ausgebowlt hat, wenn sie all ihre Schlagmänner verloren hat, wobei ein Schlagmann dann verliert, wenn er sein Wicket verliert, d.h. der Bowler kegelt diese Holzstäbchen auf den Holzstäben um, oder einer der Feldverteidiger fängt einen Flugball aus der Luft – oder der Schiedsrichter erklärt die Wickets als technisch k.o. – das nennt sich dann Leg before Wicket (LBW) und ist quasi ein Foul. Am Schluss gewinnt dann die Mannschaft, die mehr Tore geschossen hat – so ungefähr jedenfalls – d.h. es gibt auch Punkte, wenn die Schlagmänner zwischen den Wickets hin und herflitzen und Flugbälle über die Banden zählen 6 Punkte, während die Roller an die Bande noch mit 4 Zählern zu Buche schlagen. Weil aber die Bowlers unglaublich fies und schnell werfen können, ist es durchaus ratsam, nicht immer auf den Ball einzuprügeln wie beim Hau den Lukas, sondern zwischendurch auch einfach mal zu blocken – das ist dann sozusagen die Catenaccio-Variante.

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Wobei beim One-Day-International Format durchaus auch mal das Risiko eines Schlagversuchs eingegangen wird, weshalb diese ODI eigentlich nicht so ganz das richtige Cricket, sind. Andererseits ist dieses echte Cricket, Test Match Cricket, bei welchem die Spieler aber noch schön weiss und der Ball blutrot ist, tendenziell etwas langatmig wirken kann, weil ein Match meist fünf Tage dauert und unentschieden endet – d.h. idealerweise schaut man das in Australien, weil die dort dann die Bierpipelines auslegen und das ganze zu einem Social Event hochstilisieren. In Indien dagegen passt das ODI ganz gut, weil Bier in der Öffentlichkeit eher nicht genossen werden darf und fünf Tage lang diese Stimmung aufrecht zu erhalten scheint mit normalen Stimmbändern ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber wir schweifen ab – das Cricket war grossartig – und die indische Mannschaft glänzte mit hervorragenden Battern, welche den englischen Bowlern schon arg zusetzten, wobei auch diese gleich zu Beginn mal einige Wickets buchten

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Hitchcock hätte das nicht spannender hingekriegt, wobei das nicht alle Kollegen gleichermassen realisierten…

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Äusserst fair übrigens die lokalen Fans – und zumindest ein Engländer stand den Locals in Sachen Begeisterung in nichts nach – vor 65’000 Heimzuschauern mit einer englischen Fahne rumzurennen zeugt sowohl von Sportsgeist, Vertrauen in den Sportsgeist der anderen Fans – typisch britisch halt

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Wobei man sich des Bedrohungspotentials von englischen Hooligans offenbar schon bewusst war und deshalb die Sicherheitskräfte vorsichtshalber mal hinter Gittern schützte….

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Indien ein Land der Gegensätze, verkehrte Welt – nicht Down under, aber viele down und wenige oben, für die aber gibt’s keine Grenzen – während wir uns mit Rolex Uhren begnügen müssen haben die dann sogar Hotels

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oder Banken mit einem direkten Draht nach oben oder zur Spiritualität oder so – wobei das offenbar in diesen turbulenten Märkten auch nicht nachhaltig erfolgreich war.

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Es gäbe noch viel zu schreiben über diesen Subkontinent – vom Smoke not in the water sonder up in the sky – allgegenwärtig

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oder von der Kokosnuss – sozusagen der Marroni Indiens, welche überall die Landschaft verschönert

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die Kehlen erfrischt

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und deren Reste als Rohstoff für diverse sonstige Produkte dienen

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und offenbar haben selbst die grünen Schalen noch einen Restwert!
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Dann hätten wir auch noch epische Betrachtungen über das Wesen eines Tucks sowie über die verschiedenen Tuck-Spezies – von den Lastentucks in einfacherer Forms bis hin zu Kipper-Tucks, von den 2-Takt Benzinern über die Diesel bis hin zu den Flüssiggasvarianten – von den rein Nutzungsoptimierten Personenbefördern

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bis hin zum Eiscreme-Tuck – es gibt nichts, was wir nicht gesehen hätten.

Und so floss dieser letzte Reisetag dahin – die Gedanken immer mal wieder: Up in the sky… nein völlig falsch – hier kommt natürlich Lucy (auch wieder falsch) Maradona in the Sky with Diamonds – düdelidüdelidüdelidüüüü

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Indien ein Land der Gegensätze? Ein Land? Ein Subkontinent mit grossem Menschen-kontingent! Drei Wochen werden keinem Land der Welt gerecht – aber weder ist die Welt gerecht, noch das Leben lang genug, allen Ländern gerecht zu werden. Und das Spiel war zwar gerecht – aber etwas unausgeglichen – hatten die Engländer das erste ODI noch mit 9 Runs Vorsprung gewonnen, würden sie dieses zweite Match mit 127 Runs weniger verlieren – eine Kanterniederlage, aber wir greifen vor.

Denn nachdem die Inder ihre 50 Overs geschlagen hatten war es für uns Zeit zum Aufbruch – schliesslich wollten wir ja nicht riskieren, dass unser Fahrer einem Hitzschlag zum Opfer fallen würde. Und so sahen wir dann den zweiten Teil des Matches in der Flughafenbar bei einem letzten kühlen Kingfisher – immer mal wieder nervös die Abflugtafel checkend – Jimbo hat ja einen Track Record für das gemütliche Abhängen in Flughafenlounges bis zur Sperrstunde…

Aber es lief alles glatt – jedenfalls nachdem wir mal wieder zu einer Spezialgepäckkontrolle aufgeboten waren, Dr. Daktari durfte aus dem Seesack Jimbos ein Feuerzeug entfernen und konnte dabei interessante Einblicke in die Arbeitsteilung auf indischen Rollfeldern sammeln. Dann flogen wir die 3000 Kilometer zurück – dauerte immerhin auch drei Flugstunden – oder bloss drei Flugstunden – bei 35Kmh Tuck-Geschwindigkeit dauert das länger … In Delhi dann umgestiegen – rein in die Swiss-Maschine und die Heimat war schon viel näher gerückt – 8:30 dann sogar greifbar und fühlbar nahe – home sweet home – auch wenn wir auf den typischen Schneeregen bei 2Grad hätten verzichten können.

Fazit nach knapp 3 Wochen Indien und ca. 150 l durchgebratenem Benzin: Tucks sind nicht schnell. Und Indien ist anders. Anders als man es sich vorstellen kann und definitiv eine Reise wert.

Und für Neuseeländer hat es zu wenig Schafe da.

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